Weltenbau – Wie entstehen phantastische Geschichten?

Ein Gastbeitrag von Madeleine Puljic

Eine fremde Welt zu erschaffen, fordert nicht nur dem Autor viel Vorstellungsvermögen ab. Weil Leser sich nicht an Altbekanntem orientieren können, braucht es umso mehr Details, um sie eine phantastische Welt erleben zu lassen. Alle Ebenen der Geschichte müssen zusammenspielen, damit diese neue Welt nicht nur glaubhaft, sondern auch lebendig wirkt. Madeleine Puljic, Fantasy- und Science Fiction-Autorin sowie Gewinnerin des ersten Deutschen Selfpublishing-Preises, gibt Euch hilfreiche Tipps für das Kreieren von phantastischen Welten.

1. Das Setting und der magische Funke

Das Fundament jeder Geschichte bildet das Setting. Wo ist die Handlung örtlich angesiedelt, wie sieht es dort aus, wie ist der Entwicklungsstand? Ein gutes Hilfsmittel ist natürlich, sich einen Leitfaden zu Hilfe zu nehmen und sich an geschichtlichen Vorbildern zu orientieren. Besonders mittelalterliche Welten sind in der Fantasy gerne genutzt, aber auch jede andere Epoche der Menschheitsgeschichte bietet eine solide Vorlage. Ob Römer, Ägypter, Steinzeit oder viktorianisches London – je bekannter das Grundthema für Autor und Leser, umso weniger muss ausgedacht und erklärt werden.

Einzigartig wird diese Welt jedoch erst durch die Magie, die hinzugefügt wird. Was macht die Geschichte phantastisch? Gibt es Zauberer, Dämonen, Engel oder magische Kreaturen? Je mehr Realität einfließt, desto genauer muss überlegt werden, wie die erdachte Welt auf diese magischen Einflüsse reagiert. Waren diese Dinge immer da, tauchten sie erst kurz vor oder während der Handlung auf? Wie hat es die Entwicklung der Technik beeinflusst? Existieren bei einem Roman, der in der Jetztzeit spielt, aber von Geistern beherrscht wird, Smartphones – und wenn ja, werden sie mit Strom oder Ektoplasma betrieben?

2. Die Geschichte und ihre Helden und Gegner

Wenn die Welt in ihren Grundzügen feststeht, geht es weiter mit der Geschichte, die erzählt werden soll. Ist es das Schicksal eines Einzelnen, das der Leser verfolgen soll, das einer Gruppe oder gar der ganzen Welt? Welche Figuren werden diese Welt bevölkern, und was sind die Probleme, denen sie sich stellen sollen? Diese Fragen lassen sich meist sehr einfach aus dem Kontext des Settings heraus beantworten: Hat sich die Situation plötzlich verändert (durch das Auftauchen der Magie) oder droht ein bereits lange herrschendes Ungleichgewicht zu kippen? Warum tut es das genau jetzt? Welche Seiten gibt es bei dem drohenden Konflikt, welche Ansichten möchte man zeigen?

Letztendlich ist jede Figur, ob nun tragend oder nicht, gut oder böse, der Held seiner eigenen Geschichte. Jede Figur hat ihr eigenes Ziel und ihre eigenen Interessen. Vielleicht ist die Milchmagd eine autodidaktische Leseratte und träumt davon, eine Bibliothek zu eröffnen. Der Herzog würde Vielleicht lieber nicht die Gräfin heiraten, weil er heimlich in seinen Kammerdiener verliebt ist. Und auch der Bösewicht hat nebenbei noch andere Sorgen als die, es unserem Helden so schwer wie möglich zu machen.

Und je lebendiger die Figuren werden, umso mehr beeinflussen sie die Geschichte, statt wie Aufziehspielzeug den vorgegebenen Pfaden zu folgen, nur weil die Handlung es so verlangt.

3. Stimmung und Sprache

Damit der Leser auch wirklich in die Geschichte eintauchen kann, fehlt noch der letzte Punkt: die Stimme, mit der sie erzählt wird. Natürlich sollten passende Worte benutzt werden – in einem mittelalterlichen Fantasyroman wird niemand wissen, was eine SMS ist, in ferner Zukunft wird man vermutlich nicht die Sonnenuhr ablesen. Das betrifft auch Ausrufe der Figuren oder die Vergleiche, die sie ziehen. Ein römischer Bauer kennt weder das Rattern eines Maschinengewehrs noch eine Klapperschlange.

Vom Vokabular abgesehen, hat die Sprache allerdings noch eine weitere Aufgabe: Sie kann die Stimmung der Geschichte unterstreichen, oder sie in eine andere Richtung drehen. Beschreibt man trocken das Geschehen, oder schildert man es mit einem Augenzwinkern? Knappe, unverschnörkelte Sätze wirken eher kalt und drängend, ausgiebige Beschreibungen lassen dem Leser mehr Zeit und geben ihm mehr Gelegenheit zu träumen. Wichtig ist, dass das Gesamtpaket stimmt.

Über die Autorin:
Madeleine PuljicMadeleine Puljic ist leidenschaftliche Autorin von Fantasy- und Science Fiction-Romanen. Ihren ersten Roman „Herz des Winters“ veröffentlichte sie 2013 im Selbstverlag. Weiterhin schreibt sie regelmäßig für die Serie Perry Rhodan NEO. Für ihren Roman „Noras Welten – Durch den Nimbus“ erhielt sie 2017 den ersten Deutschen Selfpublishing-Preis.

„Noras Welten – Durch den Nimbus“ könnt ihr bei epubli versandkostenfrei bestellen.


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