Frauenfußball ist Männersache

Für seinen humorvollen Roman „Frauenfußball“ hat unser Autor Nils Seydel sich bereits über viel Lob freuen können. Darin sitzt der gut aussehende Student Mikka zwischen den Stühlen, die ihm in Form von gleich zwei Traumfrauen das Leben schwer machen. Im Interview erzählt Nils Seydel uns heute, welche Rolle die Stadt Köln in seiner Entwicklung gespielt hat und gibt handwerkliche Tipps zum Thema Humor.

Dein humorvoller Roman „Frauenfußball“ wurde als erster Titel zum Monatsfavoriten im September gewählt, herzlichen Glückwunsch! Du führst deine Leser hier nicht nur in das typische Studentenmilieu, sondern setzt dich auch mit Frauenfußball auseinander. Wie hat da die Recherche ausgesehen?

Cover_FrauenfussballDa ich ja selbst so einige Jahre studierte und mir große Mühe dabei gab, mein Studentenleben in halbwegs vollen Zügen zu genießen, verlief ein Großteil der Recherche bereits im Vorfeld unbewusst und voll automatisiert. Mit Ausnahme der im Buch behandelten philosophischen Ausführungen. Da unterscheiden sich nämlich die Studiengänge von Autor und Protagonist, was zur Folge hatte, dass jenes philosophische Halbwissen autodidaktisch angelernt werden musste. Dies erfolgte ganz altmodisch mittels entsprechender Literatur. Was den Fußball betrifft, sah die Sache hingegen anders aus: Frauenfußball habe ich (erwartungsgemäß) selber nie gespielt und zudem noch viel zu selten angeschaut, da musste schon das ein oder andere Mal das Kölner Süd-Stadion oder der dörfliche Fußballplatz besucht werden. Bei allen weiteren Fragen war schließlich das Internet eine riesengroße und unverzichtbare Hilfe. Ich weiß gar nicht, ob ich ohne Zugang zum Internet meinen Roman jemals vollendet hätte. In jedem Falle hätte er dann ganz anders ausgesehen.

Wie bist du vorgegangen, um nicht in stereotype Geschlechterklischees abzurutschen?
Das Thema des Romans lädt ja förmlich dazu ein, in Geschlechterklischees abzurutschen. Und zwar nicht nur speziell, was den Frauenfußball, sondern was Denk- und Verhaltensweisen von Frauen und Männern im Allgemeinen angeht. Da war es von großem Vorteil einen Protagonisten ins Leben gerufen zu haben, der sein Umfeld genaustens beobachtet und ausschließlich in Klischees denkt, was meines Erachtens nur die angepeilte Authentizität des Romans unterstreicht, da stereotype Geschlechterklischees in unserer Gesellschaft allgegenwärtig sind. Das Denken in Klischees tut der Protagonist jedoch oftmals wissentlich und bewusst, diskutiert mit sich selbst im inneren Monolog oder aber ganz offen mit seinen Freunden, um sich im besten Falle fortwährend eines Besseren belehren zu lassen. Einige Klischees treffen selbstverständlich auch dann und wann zu. Das können an der einen Stelle zwei Frauen sein, die gemeinsam auf Toilette gehen, an einer andere Stelle dann eine tatsächlich homosexuelle Fußballspielerin oder aber auch einfach nur das Männern häufig nachgesagte, oftmals nur rein körperliche Interesse an Frauen. Mir war es wichtig, solche Situationen mithilfe der Charaktere des Romans differenziert zu betrachten, nicht zu pauschalisieren und zur Diskussion zu stellen. Und ich glaube, dass mir das – wenn auch nicht immer – dann doch zumindest weitestgehend gelungen ist.

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Du erzählst, dass deine Liebe zum Schreiben mit deinem Umzug nach Köln einherging. Was hat dich an dieser Stadt so sehr inspiriert?
Meine Liebe zum Schreiben wurde während meiner Studienzeit in Köln intensiver. Ich würde sagen, Köln war zur richtigen Zeit am richtigen Ort… oder auch ich. Je nachdem wie man es sieht. Köln ist ja eigentlich nur ein großes Dorf. Aber ein großes Dorf mit unsagbar großem Charme, in dem man sich einfach wohl fühlen muss. Zum Studieren kann ich mir da keine andere Stadt vorstellen. Inspiriert hat mich das gesamte Drumherum Kölns, so dass „Frauenfußball“ in letzter Konsequenz auch ein Stück weit zum „Köln-Roman“ geworden ist. Ich studierte an der Universität zu Köln, wohnte auf der bei Kölnern nachgesagten unbeliebten rechten Rheinseite und lernte das Kölner Nachtleben mit all seinen Absurditäten und Kiosk-Wegbier-Kulturen kennen. So manch skurrile Situation im Buch ist daher tatsächlich passiert und hat damit einen wahren und teils auch autobiografischen Kern.

Nancy

 

„Ich LIEBE die Worte und Prioritäten dieses Autors. Er versteht es, den Leser zum Schmunzeln zu bringen und wahrt bei seinen Formulierungen ein Niveau, das viele Bücher heutzutage vermissen lassen.“

 

Du hast ja auch schon unsere Autorin Nancy Salchow mit deinem lockeren Stil überzeugen können. Hast du irgendwelche Tipps, wie man beim humorvollen Schreiben das rechte Maß trifft?
Die Worte von Nancy Salchow schmeicheln mir sehr. Sehr, sehr! Und auch wenn ich „Frauenfußball“ selbst urkomisch finde, fühle ich mich nicht unbedingt als Experte für humorvolles Schreiben. Humor ist ja auch eine recht subjektive Angelegenheit. Ich habe in „Frauenfußball“ versucht, alltägliche Situationen darzustellen, die an und für sich schon lustig sind oder zumindest sein können. Situationen, die jeder von uns schon mal erlebt hat. Bewusst oder eben unbewusst. Wer kennt das nicht, wenn ein Mitfahrer in Bus oder Bahn auf einmal sein penetrant riechendes Leberwurstbrot auspackt? Und dann war es für mich entscheidend, wie die Charaktere mit jenen Situationen umgehen. Auch wenn das jetzt nach einer Plattitüde klingt: Ich glaube, man muss einfach aus dem Bauch heraus schreiben und gar nicht allzu viel über seine Worte nachdenken. Wenn ein Dialog oder eine Textpassage unbedingt lustig sein soll, wird es vermutlich schwer, sie wirklich lustig erscheinen zu lassen.

 


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