Im Interview: Unser Autorenduo Barry und Dana Stiller

 

Allein ein Buch zu schreiben ist doch oftmals eine Herausforderung. Wie geht man allerdings vor, wenn man zu zweit vor dem Laptop sitzt und eine gemeinsame Geschichte plant? Wie konkret die Arbeitsphase bei Barry und Dana Stiller aussieht und wie sie zu ihrem doch recht ungewöhnlichen Cover gelangten, erzählen euch die beiden in unserem heutigen Interview.

 

Nach dem Erfolg mit „Informium“ legt ihr nun mit „Green Mamba“ nach. Fasst ihr für uns die Geschichte einmal kurz zusammen?informium

Volkspolizist Josef Keller, der auch in „Informium“ ermittelt, gerät 1974 in einen anderen höchst brisanten Fall. Zunächst erscheint alles eindeutig: Im psychiatrischen Krankenhaus hat ein Patient im Wahn seinen Arzt ermordet. Aber kaum dass Keller mit seinen Nachforschungen beginnt, tritt er mächtigen Leuten auf die Füße und gerät ins Fadenkreuz der Stasi. Dann bekommt er auch noch diesen seltsamen neuen Assistenten namens Kosminsky…

Während Keller sich in seinen neuen Fall gräbt, wird der russische Geheimdienst alarmiert: Zwei Soldatenkinder sind aus einer militärischen Anlage verschwunden. Der eingesetzte Ermittler, Oberst Sokolow, findet kurz darauf die Leiche des einen Jungen, der andere wird totkrank an der Autobahn aufgegriffen.

Beide Fälle haben zunächst nichts miteinander zu tun – so scheint es. Keller ermittelt mit Hilfe der toughen Pathologin Dr. Moreaux und seines neuen Assistenten in der Klinik und verstrickt sich immer weiter in das Verwirrspiel um den angeblich verrückten Wissenschaftler. Der russische Agent Sokolow stößt auf eine Mauer des Schweigens, einen ungeklärten Mordfall in den eigenen Reihen – und schließlich auf Hinweise, dass die DDR versucht, den Großen Bruder Sowjetunion an der Nase herumzuführen.

Natürlich finden die beiden Erzählstränge im Laufe der Geschichte zusammen, und die tödliche Bedrohung, die hinter dem scheinbar einfachen Fall steckt, kommt ans Licht. Keller sieht sich bald vor die Frage gestellt, wem er vertrauen kann, wenn es wirklich darauf ankommt. Denn der übermächtige Gegner schreckt vor keiner Maßnahme zurück, auch nicht vor dem Mordbefehl…

green-mambaDie Coverwahl zu „Green Mamba“ war sehr speziell und interessant. Wollt ihr uns kurz darüber berichten?

Für jeden Roman sind wir auf der Suche nach einem Motiv, das eine Verbindung zum Inhalt hat, ohne platt oder gar „genretypisch“ zu sein – es gibt nichts Schlimmeres als Blutspuren, Waffen, Schattengestalten, schreckgeweitete Augen oder sonstige Einfallslosigkeiten auf einem Krimi-Cover. Das trifft übrigens auch auf die Typographie zu… zu krakeligen, eingeritzten oder blutgeschriebenen Titeln enthalten wir uns jeden Kommentars. Als zweite Eigenschaft müssen unsere Cover-Photographien etwas Ikonographisches haben, ein für sich sprechendes Element – das ist aber eine reine Geschmackssache. Es gibt viele gute Buchcover mit Motiven, die eher im Hintergrund agieren… doch das wären keine „Stiller & Stiller-Cover“.

Dabei ist es uns extrem wichtig, dass die Basis professionelle Photographien sind, keine Renderings, keine Smartphone-Shots oder irgendwelche Photoshop-Collagen. Wir haben das Glück, seit vielen Jahren mit einem sehr erfolgreichen Photographen befreundet zu sein, der sich auf Architektur und Stills (Produktphotographie) spezialisiert hat. Oft sitzen wir mit Jochen Seelhammer in Köln zusammen, durchsuchen seine Ausstellungskataloge, stöbern in seinem riesigen Archiv und diskutieren das ideale Umschlagmotiv. Manchmal opfert er sogar seinen (eigentlich photoapparatfreien) Sonntag, um für unsere Titelbilder auf Motivjagd zu gehen.

Trotz aller Überlegung, Diskussion und Planung – wenn das einzig richtige Motiv für den Roman auftaucht, sind wir uns alle innerhalb der ersten Sekunde einig: Das ist es! War es bei „Informium“ diese etwas bedrohliche, bunkerartige Tür in Signalrot (sie gehört übrigens zu einer norwegischen Fähre), so waren wir sofort geflasht, als Jochen das Gerippe eines Kraftwerkskühlturmes zückte, der gegen einen makellos blauen Himmel eine unglaubliche Kontrastwirkung hatte. Die Verbindung zu „Green Mamba“ war da, das Motiv hatte immensen Wiedererkennungswert und bot die Möglichkeit für graphische „Anbauten“, denn wir wollten den Titelschriftzug und den roten Stern mit dem Motiv verflechten.

Dass „Green Mamba“ ein gelbes Buch werden sollte, stand sehr früh fest – lange vor dem Motiv. Die Gründe sind einfach: Erstens verbot sich ein grünes Cover (einfallslos und albern dazu), zweitens wollten wir kein genrekonformes Farbschema, somit waren Schwarz und Rot keine Option. Bei „Informium“ waren wir schon durch das Photo nahe an diese Standardkombi herangerutscht. Der dritte und letztlich wichtigste Grund lag in unseren Bücherwänden. Unter einigen Tausend Taschenbüchern gab es (neben Donald Duck) nur zwei komplett gelbe Rücken: eine unauffällig maisgelbe, englische Auflage von Jefferey Deavers‘ „The Bone Collector“ und ein zitronengelbes „Tot.“ von Stephen King. Letzterer Titel besteht aus einer wirklich stümperhaften Typographie und hat keinerlei Motiv, aber es war das auffälligste Buch!

Buchcover-AuswahlSo mussten das Kühlturmskelett vor einen sattgelben Himmel gesetzt und der Titelschriftzug in das Gerüst „eingebaut“ werden. Zudem sollte es noch eine (mangels Luftbild) gezeichnete Ansicht von oben auf das Gerippe geben. Da wir viel Erfahrung und Spaß mit Zeichenprogrammen haben, überlassen wir diese Arbeiten niemand anderem. Gleiches gilt für die typographische Gestaltung des Buchumschlages – auch hier haben wir feste Vorstellungen, die wir am schnellsten selbst umsetzen können. So sind auch viele Graphiken entstanden, die wir nicht verwendet haben, beispielsweise der Kühlturm, nachdem die Buchstaben und der rote Stern „abmontiert“ wurden.

Ein weiteres graphisches Element, das die Romanerzählung unterstützt, ist das Bild über jedem Tages-Kapitel. Es verändert sich kontinuierlich mit dem Fortgang der Geschichte. Die Erklärung hierzu findet man in der Rubrik „Fragen an den Autor“ in der Leserunde zu „Green Mamba“ auf http://www.lovelybooks.de.

 Ihr schreibt als Autoren-Duo. Wie verläuft die Arbeitsphase?

Wir arbeiten sehr strukturiert – aber erst ab dem Moment, an dem das Grundgerüst der Geschichte steht. Bis dahin passiert vieles in Form von Diskussionen, mehr oder weniger lebhaften Wortgefechten und skurillen Gesprächen… Da steht man schonmal an der Supermarktkasse und fragt den anderen, ob es nicht eigentlich vollkommen logisch ist, wenn Charakter X von Figur Y erschossen wird. Oder ob der Charakter eine Frau sein muss anstelle des geplanten Mannes (ist so passiert)… Nach dieser rasanten, oft chaotischen Phase des Plottens, entwerfen wir einen Ereignisplan, beginnend mit den Schlüsselereignissen. Das bedeutet, dass wir festlegen, was der Leser zu welchem Zeitpunkt wissen darf. Für uns ist es sehr wichtig, dass der Leser häppchenweise der Lösung näherkommt – ein detektivisches Puzzle, bei dem man peinlich auf stringente Logik achten muss.

Die nächste Stufe ist das Storyboard. Wir legen Handlungsstränge und Figuren fest und definieren die notwendigen Verknüpfungen. An dieser Stelle entscheidet sich auch, was wieder hinausfliegt, weil es zu verräterisch ist oder nur Seiten schindet. Ist das Storyboard stimmig und spannend, teilen wir die Geschichte in Szenen mit einem „Drehort“ und festgelegtem Handlungsziel – dabei muss jede Szene einen Sinn für die Geschichte haben. Kann man sie ohne Beeinträchtigung herausnehmen, löschen wir sie.

Um wirklich vernünftig zu zweit arbeiten zu können, wird anschließend alles in eine Tabelle und einen Zeitstrahl gegossen. Das ist weniger starr, als es vielleicht klingt, denn im steten Austausch sind immer Änderungen und Anpassungen möglich. Auch ergeben die Recherchen oft zusätzliche  Ideen. Dann werden die Buchabschnitte/Kapitel festgelegt. In „Green Mamba“ sind das Wochentage, die Szenen werden durch eine Uhrzeit voneinander separiert.

Barry und Dana StillerDann folgt als letzter Schritt vor dem eigentlichen Schreiben das Verteilen der Szenen – eine Angelegenheit, die Spaß macht. Dabei spielen die verschiedensten Gesichtspunkten eine Rolle. Zwar schreiben wir immer beide an den Hauptfiguren, aber ansonsten ist alles möglich. Beide haben ihre Lieblingsszenen, -figuren oder -schauplätze. Wichtig ist natürlich auch, wer in welche Richtung recherchiert hat… da muss man das Rad nicht zweimal erfinden. So beschäftigte sich für „Green Mamba“ einer mit der Kernforschung, der andere mit den russischen Geheimdiensten.

Anschließend wird geschrieben, nur selten unterbrochen von Zusatzrecherchen oder Absprachen über kleinere Änderungen. Nach rund einem Jahr ist so ein Buchprojekt dann vollendet, was nicht bedeutet, dass zeitgleich nicht an anderen Geschichten gearbeitet wird – während wir die eine Geschichte schreiben, machen wir für eine andere oft die Recherche, entwickeln Plots oder sprechen über neue Ideen.

Wir werden recht häufig danach gefragt, wie zum Kuckuck das Schreiben zu zweit klappen kann. Im Grunde fällt es uns eher schwer, uns vorzustellen, ganz allein zu plotten und zu schreiben; außerdem verhindern fortwährende Diskussionen über die Geschichte, dass man sich in irgendetwas verrennt und allzu großen Unsinn schreibt…

 Wann dürfen wir mit dem nächsten Buch aus eurer Feder rechnen?

Kaum dass „Informium“ erschienen war, wurde vielfach der Wunsch nach einem Nachfolger geäußert. Wir sind eigentlich keine Freunde von Fortsetzungsromanen. Jede Geschichte muss für sich alleine stehen, aufgelöst und verstanden werden, trotzdem mögen wir es, wenn am Schluss kleine Geheimnisse zurückbleiben. Deshalb wird „Informium 2“, wie alle unsere Romane, eigenständig sein, aber natürlich Verbindungen mit dem Vorgänger haben.

Tatsächlich lässt die Geschichte von „Informium“ ein paar Verknüpfungspunkte übrig… Nicht jedes Schicksal wird geklärt, bei manchen Figuren ist nicht sicher, ob oder wie tief sie in die Verschwörung verwickelt sind, und aufmerksame Leser haben auch andere lose Enden mittendrin entdeckt. Beispielsweise die okkulten Hintergründe des Dritten Reiches oder der altägyptischen Hochkultur. Die sind mit voller Absicht da. Zu viele (durchaus für unsere Leser interessante) Exkurse hätten die 500-Seiten-Geschichte aufgebläht, garantiert gebremst und im schlimmsten Falle sogar ziellos gemacht. Zudem sind einige dieser losen Enden neue, große Geschichten wert… man wird sehen.

Der grundlegende Plot für „Informium 2“ steht schon seit langem, es gibt bereits die Figuren, mysteriöse Ereignisse und abgedrehte Settings – sogar einige Probekapitel sind geschrieben. Seit dem Erscheinen von „Green Mamba“ arbeiten wir intensiv an „Informium 2“ und rechnen damit, es 2017 herausbringen zu können.

Parallel dazu arbeiten wir aber auch noch an anderen Buchprojekten und planen Geschichten mit anderen Autoren – aber dazu wird noch nichts verraten, wir mögen keine Schnellschüsse!


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