»Von Mordlust über Fleischeslust und etwas Schräges dazwischen«

Die Österreicherin Christina Unger arbeitete nicht nur bereits für Goldmann, sondern hat vor einigen Jahren sogar ihren eigenen Verlag gegründet. In unserem Interview spricht sie über Herausforderungen, verpasste Chancen, aber auch Happy Ends.

Liebe Christina,

erzähle uns anfangs kurz, um was es in deinem Buch »Die verrückte Reise des Mr. Smith« geht.

Ein Roman von Anne Tyler mit dem Originaltitel »The accidental Tourist« (später verfilmt mit Geena Davis und William Hurt) hat mich zur Figur des Henry Smith inspiriert. Der Amerikaner Henry Smith ist ebenfalls so etwas wie ein »accidental« Tourist, ein zum Reisen eher ungeeigneter Intellektueller, von Beruf Bibliothekar, introvertiert, eigenbrötlerisch und mit seinen 42 Jahren immer noch von seiner dominanten Mutter fremdbestimmt. Trotzdem wagt er das Abenteuer und begibt sich auf eine »Bildungsreise« nach Europa und – nach Vorbild Hemingways – auf Safari nach Afrika.

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Hier seht ihr das Cover von Christina Ungers spannenden Roman.

Bedingt durch seine Weltabgewandtheit und Naivität schlittert er in Situationen, die bei jedem anderen längst die Alarmglocken hätten schrillen lassen. So fällt Henry Menschen in die Hände, die es nicht immer gut mit ihm meinen, und seine Reise artet in eine aberwitzige Berg- und Talfahrt voll skurriler Abenteuer und Katastrophen aus. Da er an Frauen nie besonders interessiert war und daher von ihnen wenig bis gar keine Ahnung hat, begegnet er auf seiner Reise durch fremde Kulturen so manchen Frauen, die Unheilvolles mit ihm vorhaben. Aber in Afrika scheint sich sein Blatt zu wenden. Nachdem er in einem Dorf der Ponga-Ponga vorerst von der Malaria niedergestreckt wird, lernt er dort eine amerikanische Aussteigerin kennen und beide verlieben sich Hals über Kopf ineinander. Ihr Vater, der noch dazu der Gouverneur von New Jersey ist, kommt nach Afrika, um seine aufsässige Tochter heimzuholen, und plant für Henry eine politische Karriere in Amerika. Nun, die Geschichte geht wie nicht anders zu erwarten war für den Gouverneur in die Hose und für Henry gibt es – über einige Irrwege – doch noch ein Happy End.

Du wohnst und arbeitest im schönen Niederösterreich. Wie kamst du auf die Idee, deine Hauptfigur Henry nach Afrika zu schicken?

Ich bin in Wien geboren und selber schon mit Zwanzig nach Afrika ausgewandert. Ich bin mit dem Kontinent ziemlich vertraut und war mit Unterbrechungen insgesamt sieben Jahre in Afrika – von Kenia südwärts bis Südafrika, davon auch im Begleitteam des Engländers Barry Eustice, der 1987 in acht Monaten 6.120 km auf Krücken zurücklegte, um Spenden für Behinderte zu sammeln. Das war so ziemlich die größte Herausforderung meines Lebens. Davon gibt es auch ein Manuskript, das ich überarbeiten müsste, da es vor über 20 Jahren geschrieben wurde. Außer durch Afrika zog ich in meiner Jugend zwei Jahre durch Südamerika und reiste mit dem Rucksack von Feuerland bis Alaska. Darüber habe ich in zwei Alternativ-Reiseführer über Peru und Argentinien/Uruguay/Paraguay geschrieben, die damals im Hayit Verlag in Köln erschienen sind. Von 1987 bis 1990 verbrachte ich drei Jahre in den Northwest Territories im arktischen Kanada, bis ich schließlich endgültig und wahrhaftig der Reiserei den Rücken kehrte und mir überlegte wie ich die fehlenden Jahre für die Pension wett mache! In Österreich angekommen, arbeitete ich nebenbei für den Goldmann Verlag als Übersetzerin bis ich in meinem erlernten Beruf als Kartografin Fuß fasste und später auch einen eigenen kartografischen Verlag gründete, wo ich bis heute Landkarten herstelle.

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Was bedeutet Schreiben für dich und wie lange hast du für deinen Roman gebraucht? Brauchst du zum Schreiben das Internet?

Ich habe schon als Kind geschrieben, am liebsten Indianergeschichten, da ich immer schon reisen wollte. Auch wollte ich mit den Indianern über die Prärie reiten und die Weißen aus deren Land verjagen. Als ich Elf war hatte ich ein Schlüsselerlebnis, als mir eine Zeitung in die Hand fiel mit einem Foto von New York. Da ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen, dass ich wohl dreihundert Jahre zu spät geboren wurde und habe erkannt, dass ich bis dahin in einer Traumwelt gelebt hatte. Das war ein Schock für so ein kleines Mädchen. Aber durch die Welt zu reisen konnte ich ja trotzdem und ich zähle diese Jahre zu den schönsten in meinem Leben.

Das Internet brauche ich zum Schreiben selten aber doch. Für Henry Smith brauchte ich es nicht, da mir viele Regionen durch die ihn schicke, selbst bekannt sind, von den aberwitzigen Szenen mit Frauen, Polizei und Mafiosi mal abgesehen. Genau genommen brauchte ich für diesen Roman nur drei Monate. Es hat so viel Spaß gemacht, mir immer neue Abenteuer für den armen Mann auszudenken, dass das Schreiben wirklich leicht von der Hand ging.

Wem gibst du deine Geschichte als erstes zum Lesen?

Hm. Am ehesten Menschen, von denen ich annehme, dass sie in der Lage sind ein Manuskript ohne Befangenheit und objektiv zu beurteilen, und die natürlich selber viel lesen und Vergleiche ziehen können.

Was wünschst du dir für das Jahr 2016? Dürfen wir uns auf weitere spannende Abenteuerromane von dir freuen?

Also ich wünsche mir – von Gesundheit mal abgesehen, denn diese schätzt man erst wenn man krank war – dass mein Projekt »Henry Smith« einen Verlag findet und bei den Lesern gut ankommt, weil ich nach wie vor glaube, dass die Geschichte wirklich gelungen ist.

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Wir bedanken uns für das tolle Interview und wünschen dir weiterhin viel Spaß und Erfolg bei deinen Buchveröffentlichungen.

 


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