Interview mit unserer Autorin Alice Golding

Vor ein paar Tagen haben wir schon über die tolle Platzierung von Alice Golding bei Apple berichtet. Damit du die Autorin noch besser kennenlernen kannst, haben wir ihr ein paar Fragen gestellt:

  1. Liebe Ivonne, wir kennen dich ja jetzt unter zwei verschiedenen Autorennamen – „Ivonne Keller“ und „Alice Golding“. Warum hast du denn beschlossen, mit „Alice Golding“ einen anderen Autorennamen zu verwenden und was versprichst du dir davon?

Für mich war die Veröffentlichung als Selfpublisherin neben meiner Arbeit als Verlagsautorin ein Experiment, das ich erst einmal ganz für mich ausprobieren wollte. Es hätte ja sein können, dass mein erster Roman in dem mir fremden Genre bei den Lesern nicht gut ankommt, und das verkraftet sich besser, wenn man durch ein Pseudonym geschützt ist. Außerdem fand ich es – in der Hoffnung, dass auch diese Romane gut ankommen – einfacher, den Lesern nahe zu bringen, dass ich in zwei Genres schreibe, wenn sie das allein schon durch den Autorennamen zuordnen können. Alice Golding schreibt humorvoll, Ivonne Keller spannend. Das sollte sich so etablieren, und das ist mir glaube ich auch geglückt.

  1. Erzähl uns von deinem aktuellen Buch „Fräulein Millas Gespür für Tango“. Hast du auch ein Glas mit „Glücksmomenten“? Und hast du selbst auch so tanzen gelernt? 🙂 Träumst du selbst von einem Teeladen, den du ganz nach deinen Wünschen gestalten kannst?

Ich habe kein Glas für Glücksmomente :). Ich habe davon gelesen und fand es wie meine Heldin Milla eine hübsche Idee – allerdings bin ich überhaupt nicht der Typ, der so etwas machen würde. Milla hingegen schon. Wir beide sind uns nicht besonders ähnlich – ich träume auch nicht von einem eigenen Teeladen oder trage solche Kleider wie sie. Was Milla und mich jedoch verbindet ist das fehlende Rhythmusgefühl, die mangelnde Arm-Bein-Koordination … auch ich kann keinen Hampelmann. In den Achtzigern habe ich einen Aerobic-Kurs abgebrochen, weil ich einfach nicht dahinter kam, wie die anderen Kursteilnehmer das machten. 🙂
Um mich noch besser in Millas Lage hineinversetzen zu können, habe ich tatsächlich einen Tango-Schnupperkurs besucht. Das war sehr unterhaltsam, nicht nur für mich!

  1. Du schreibst ja wahnsinnig gerne und viel. Aber was machst du, wenn dir mal wirklich nichts einfällt und du Inspiration brauchst?

Zum Glück fällt mir fast immer etwas ein. Allerdings kommt es vor, dass ich in einer Szene in eine Sackgasse gerate. Das passiert mir häufig bei der Zusammenführung zweier Figuren. Da steht dann im Exposé: „X lernt Y kennen.“
Leicht gesagt. Es gibt ja diese typischen Szenen, in denen die beiden Protagonisten mitten im Kaufhaus/Restaurant/Skipiste ineinander rennen. Und dann kennen sie sich. Verlieben sich. Schöne Sache. Es gibt aber Figuren und Romane, zu denen passt das überhaupt nicht, da muss man sich anders kennenlernen (und der Autor sich ein bisschen mehr Mühe geben :)). Um herauszufinden, was am besten zu den Figuren passt, wende ich die „How to catch an elephant-Methode“ an.
Dabei listet man einfach alles auf, was einem an Kennenlern-Möglichkeiten in den Kopf schießt, und zwar ohne nachzudenken, ohne den inneren Zensor zu aktivieren, der einem einflüstert: das geht doch nicht, so lernen die sich nicht kennen, wie kommst du denn auf die Idee?… Nein, der muss ganz still sein.
Das kann so aussehen:

  • sie sitzen in einem Flugzeug nebeneinander
  • er sitzt auf einem Baum fest, von dem er seine Katze retten wollte und kommt nun selbst nicht mehr runter
  • sie treffen sich im Museum, er spricht sie vor einem Bild an und fragt sie nach ihrer Meinung
  • er fährt gegen ihr Auto und beschimpft sie
  • er vertut sich an der Klingel
  • sie kauft ihm in der Metzgerei das letzte Schnitzel vor der Nase weg
  • sie sitzen beide beim Arzt im Wartezimmer

In dem Moment, in dem ich das zu den beiden Figuren Passende aufschreibe, fließt Adrenalin durch meinen Körper und ich weiß: Das ist es. Und schon kann ich die nächste Szene in Angriff nehmen. Angenommen, es ist das Wartezimmer, dann muss sich meine Protagonistin als nächstes ziemlich böse in den Finger schneiden (oder was auch immer) und schon sitzt sie im Wartezimmer eines Arztes. Dadurch weiß ich natürlich noch nicht genau, was im Wartezimmer passiert, aber das könnte ich genauso angehen, wenn mir die spontane Idee fehlt:

  • er liest in der einzigen Gala, obwohl sie die gerne lesen würde
  • er drängelt sich vor, meint, er sei immerhin Privatpatient, und sie regt sich darüber auf
  • sie telefoniert laut und ungehemmt, das passt ihm nicht

Das klappt eigentlich bei jedem Hänger. Einfach mal ausprobieren!

 

Vielen Dank für das Interview und die tollen Tipps, liebe Ivonne! 🙂

 

 

Über die Autorin:

Als Alice Golding veröffentlicht Ivonne Keller im Selfpublishing romantische Komödien, unter ihrem Klarnamen schreibt sie psychologische Spannungsromane, die es in sich haben. Für einige ihrer literarischen Kurzgeschichten hat die Autorin Preise gewonnen, außerdem ist sie in zahlreichen Anthologien mit schwarz-humorigen Kurzkrimis vertreten. Bis heute hat Ivonne Keller fünf Romane veröffentlicht und schreibt gerade an ihrem sechsten Werk, wieder einem Spannungsroman, der im nächsten Jahr bei Knaur erscheint.

Das Buch:

Gespür für Tango
Fräulein Millas Gespür für Tango
Erhältlich unter anderem bei iBooks.

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