Johannes Zum Winkel zu Besuch bei neobooks!

Letzte Woche hatten wir hohen Besuch im Haus: Johannes Zum Winkel von xtme war bei uns!
Diese Gelegenheit haben wir gleich genutzt und ein kleines Interview geführt, das wir euch natürlich nicht vorenthalten möchten.

neobooks: Die Einsteigerfrage: Welches Buch liest du gerade?
Johannes Zum Winkel: Gerade lese ich das Buch „Script Avenue“ von Claude Cueni. Das ist ein Schweizer Autor, für den ich im letzten Jahr einige Promotions für seine E-Books gemacht habe und der hat mir jetzt ein Werk geschickt, das nun im Mai als Printbuch erscheinen soll. Das ist ein wirklich ausgezeichnetes Buch: eine leicht skurrile Biografie, die mich ein bisschen an „Die Flamme der Königin Loana“ von Umberto Eco erinnert. Vom Stil her ausgezeichnet geschrieben, eine leicht überdrehte, aber sehr tiefsinnige Beschreibung seines Lebens. Es geht um einen Mann, der von Anfang an in sehr einfachen Verhältnissen aufwächst und deshalb in einer imaginären Stadt seine Fantasien auslebt. Ein ganz tolles Buch, das mir sehr gut gefällt.

Was ist dir lieber: E-Book oder gedruckt?
Ich nehme die Bücher so, wie sie kommen. Wenn es das Buch gedruckt gibt, lese ich es gerne in gedruckter Form und wenn es das Buch als E-Book gibt, dann lese ich es auch gerne als E-Book. Ansonsten hängt es vom Zweck ab: ich würde mir z.B. einen Reiseführer eher nicht als E-Book kaufen.
Ich sehe auch, dass meine Kinder (12 und 8 Jahre alt) das gedruckte Buch präferieren. Sie haben von mir zwar meinen alten Kindle bekommen und die Größere hat auch mal darin gelesen, aber ich sehe sie dann doch eher mit Papierbüchern. Die sind einfach bequemer im Umgang. Das Schöne an Kinderbüchern ist ja, dass Kinder sie untereinander verleihen und dann gemeinsam drüber sprechen können. Ich habe zum Beispiel meine Tochter heute Morgen mit ihrer Freundin zur Schule begleitet und da hat sie ganz begeistert von einem Buch erzählt, dass sie gestern Abend gelesen hat. Das ist eine Reihe, die momentan ganz beliebt ist: „Die Zauberhaften Schwestern“. Da musste ich fast die gesamte Reihe vorlesen, ich kenne sie also mittlerweile sehr gut. Das hätte ich also ruhig auch als Buch angeben können, das ich gerade lese.

Welches Genre liest du am Liebsten und welches nicht?
Das ist eine sehr schwierige Frage, weil ich eigentlich durch alle Genres hindurch lese. Aber ich habe mir mittlerweile angewöhnt, die Maske bzw. das Bühnenbild wegzudenken und schaue darauf, wie sich die Figuren verhalten, wie sie sprechen und ob das alles zusammenpasst. Ich bin selbst nicht unbedingt ein Liebhaber von Belletristik, sondern lese lieber geschichtliche Sachen. Privat lese ich zum Beispiel gerne Biografien. Aber ein guter Thriller zwischendurch macht mir dann auch mal Spaß.

Was wäre der wichtigste Tipp, den du unseren neobooks-Autoren geben könntest?
Schreibt täglich!

Und was ist der Standardfehler, den Autoren unbedingt vermeiden sollten?

Nicht täglich zu schreiben!
Die Aufgabe eines Schriftstellers ist die Produktion von Büchern. Und wenn ich Bücher produziere und das häufig tue, dann bekomme ich Übung und werde immer besser. Gleichzeitig habe ich mehr Verkaufsfläche und bekomme mehr Response vom Leser. Aber wenn ich nur ein Buch schreibe und mich dann jahrelang einzig und allein darum kümmere, dieses Buch zu vermarkten, dann verkümmert meine Tätigkeit als Schriftsteller. Dann bin ich sehr wahrscheinlich irgendwann nicht mehr Schriftsteller, sondern Buch-Vermarkter. Deshalb ist Schreiben das Wichtigste.

Was hältst du denn von der Entwicklung, dass viele Autoren, die bereits einen Verlagsvertrag haben, sozusagen „nebenbei“ noch Kurzgeschichten bzw. kürzere Texte bis ca. 100 Seiten im Selbstverlag und als E-Book herausbringen? Das ist beispielsweise eine Entwicklung, die wir momentan erkennen können.
Nun ja, bei 100 Seiten handelt es sich um die typische Heftroman-Länge. Das sozusagen eine Tagesration zum Lesen. Viele Leser wünschen sich natürlich längere Werke, weil sie in die Geschichte eintauchen und sich von der Geschichte über eine längere Zeit begleiten lassen wollen. Es gibt Autoren, die schreiben sehr gute Kurzgeschichten und es gibt Autoren, bei denen funktioniert gar nichts unter 300 Seiten. Aber dieses Mittelding finde ich schwierig bzw. ich merke, dass viele Leser dann doch eher zum Vollroman tendieren. Man merkt auch oft bei den Rezensionen, dass bei kurzen Titeln moniert wird, dass das Werk viel zu schnell gelesen ist. Ich würde sagen, es ist definitiv vom Genre abhängig: im Erotikbereich ist es normal und weitverbreitet, im Science Fiction-Bereich macht es uns Perry Rhodan in dieser Größenordnung vor, der ja eine große Fangemeinde hat. Ich finde: 100 Seiten sollte ein Buch mindestens haben, damit der Leser anerkennt, dass es sich um eine vollständige Geschichte handelt. Wenn ein Tolino oder Kindle anzeigt, dass das Werk nur 50 Seiten hat, dann denken viele, dass es sich lediglich um ein Bruchstück handelt. Die klassische Novelle ist der Leser einfach nicht mehr gewohnt.

Da wäre ja das E-Book vielleicht eine Möglichkeit, um dieses Format wieder einzuführen?
Ich glaube, dass der Leser hier dem E-Book ein wenig misstraut. Wenn ich in der Buchhandlung ein Buch in die Hand nehme, dann merke ich ja, welches Format dieses Buch hat. Da gibt es natürlich auch Mogelpackungen aus richtig dickem Papier und mit großer Schrift, bei denen ich denke, dass ich ein dickes Buch in den Händen halte und dann sind es tatsächlich nur 60 Seiten. Beim E-Book wird das Buch sozusagen entkleidet, denn hier wird die tatsächliche Textmenge angegeben. Die Länge von ca. 70 Seiten funktioniert z. B. im Ratgeberbereich sehr gut, denn hier erwartet der Leser nicht unbedingt einen dicken Schinken. Aber ich glaube, dass ein klassischer E-Book-Leser jemand ist, der Bücher vor allem aus dem Belletristik-Bereich lesen möchte. Und wir wissen ja durch Umfragen, dass es sich dabei mit einer Größenordnung von bis zu 70 % um Frauen zwischen 35 und 60 Jahren handelt, die eine eindeutige Tendenz zum Vollroman haben und in der Geschichte versinken wollen. Der typische Leser einer Kurzgeschichte oder einer Novelle, der sich z. B. jede Woche einen Perry Rhodan-Roman kauft und auf zwei Stunden Lesespaß freut, das ist eher ein männlicher Leser. Und der ist einfach im E-Book-Bereich mengenmäßig noch nicht sehr stark vertreten. Denn man darf ja nicht vergessen, dass die Bestsellerlisten einzig und allein auf Absatzmengen basieren. Wenn ein hoher Anteil der weiblichen Leser ein Buch gut findet, dann steigt das in die Top 10 ein. Wenn allerdings ein großer Anteil der männlichen Leser das Buch gut findet, dann schafft es mit etwas Glück den Sprung in die Top 50. Denn es geht ja immer nur um die Gesamtmenge, die tatsächlich verkauft wird.

Lieber Johannes, vielen lieben Dank für das Interview!

 

Johannes Zum Winkel mit den Mädels von neobooks


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