Effektiv Spannung erzeugen und halten

von Thriller-Autor J.P. Conrad

Einen Krimi oder Thriller zu schreiben ist keine leichte Aufgabe. Die erste Voraussetzung ist natürlich das richtige Handwerkszeug: Kreativität und ein sicherer Schreibstil sind unerlässlich. Gerade der zweite Punkt ist nicht zu vernachlässigen, da eine noch so geniale Story durch häufige Wiederholungen, komplizierte Schachtelsätze usw. schnell für den Leser zum Ärgernis wird. Aber vorausgesetzt, dass es an den Voraussetzungen nicht mangelt, kann es auch schon losgehen.
Sofort stellt sich die nächste große Frage: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Krimi und einem Thriller? Teilweise ist das nicht so leicht zu beantworten, da die Grenzen oft fließend sind. Aber es gibt ein paar Grundregeln: Im klassischen Krimi gibt es einen Mord und anschließend ermittelt die Polizei. Die treibende Kraft, die den Leser hier gefangen hält, ist der „Whodunit„, also die Frage, wer der tatsächliche Täter ist. Diese Frage wird erst allmählich, meist oft am Ende des Buches, aufgeklärt. Der „Whodunit“ hält also den Leser bei der Stange. Eine Abwandlung wäre z.B., dass der Täter dem Leser von Anfang an bekannt ist und dieser nun mitverfolgen kann, ob und wie er überführt wird. Hier ergibt sich die Spannung aus den Fragen: Wird er geschnappt und wenn ja, was hat ihn verraten?
Der Thriller hat ein leicht anderes Grundkonzept: Hier geht es darum, eine Bedrohung möglichst lange aufrecht zu erhalten. Beispiel: Ein Serienkiller, der jederzeit wieder morden kann. Als Beispiel seien hier zwei meiner Werke genannt: „Aufgefressen“ (Säure-Killer) und „Frischfleisch“ (Frauenmörder). Auch die Bedrohung eines oder mehrerer Protagonisten sowie Actionelemente (z.B. Verfolgungsjagden) sind Bestandteil eines Thrillers, bzw. können es sein. Beim Thriller steht auch nicht zwangsläufig die Aufklärung eines Verbrechens im Vordergrund. Man kann vereinfacht sagen: Bei einem Thriller sollte die Spannung die ganze Geschichte über anhalten.

Aber egal, ob Krimi oder Thriller: Wie wird denn nun Spannung erzeugt? Eine Technik, der ich mich immer gerne bediene, macht das Buch zum „Pageturner“ – was wir ja wohl beim Schreiben alle erreichen wollen. Es ist im Grunde ganz einfach: Jedes Kapitel sollte möglichst mit einem Cliffhanger, also einer ungelösten Situation, enden. Ein Beispiel aus „Frischfleisch“: Eine Frau kommt am Ende eines Kapitels mit einem Messer in der Hand auf einen Mann zu. Was hat sie vor? Wird sie ihn abstechen? Das will der Leser natürlich erfahren und wird das Buch sicher nicht in diesem Moment zur Seite legen. Also mein Tipp: Möglichst am Ende eines Kapitels auf einen Höhepunkt zusteuern, der dann erst im nächsten oder einem späteren Kapitel erreicht/aufgelöst wird.

Zwei weitere Techniken zur Erzeugung von Spannung sind „Surprise“ (Überraschung) und „Suspense“ (in etwa „Gespanntheit“). Surprise ist wohl das einfachste Mittel: Der plötzliche Mord, eine Explosion oder ein anderes unerwartetes Ereignis. Es schockt den Leser – allerdings nur für einen kurzen Moment. Viel effektiver ist hingegen „Suspense„, ein von Alfred Hitchcock geprägter Begriff. Nachfolgend ein Beispiel dazu, wie Suspense der Surprise überlegen ist: Eine Gruppe von Menschen sitzt an einem Tisch und frühstückt. Sie unterhalten sich. Plötzlich geht eine Bombe hoch und alle sterben. Der Leser, vorher ahnungslos, ist überrascht und geschockt. Auf der nächsten Seite ist das Ereignis jedoch oft dann schon wieder vergessen. Geht man allerdings anders vor, ergibt sich ein viel wirkungsvollerer Effekt: Man beschreibt die Bombe unter dem Tisch. Sie tickt. Und sie kann jeden Moment hochgehen. Dann erst folgen die Beschreibung und die Dialoge der Personen beim Frühstück. Jetzt kann man beim Leser wesentlich längerSpannung erzeugen, da er a) einen Wissensvorteil hat und b) gespannt ist, ob und wann die Bombe explodiert. Die Mittel sind die gleichen, aber der Spannungseffekt wesentlich größer. Die Suspense basiert somit auf dem Konzept der Vorhersehbarkeit. Wer es also schafft, Suspense in sein Buch zu bringen, hat schon viel gewonnen!

Ein weiterer Kniff, den ich gerne einsetze: Ich nutze die Beschränkungen des Mediums Buch, um dem Leser Informationen vorzuenthalten. Ich kann eine Person, z.B. einen Mörder, beschreiben, wie er seinen Mord plant. Jedoch muss ich nicht preisgeben, wer er ist. Er kann als Antagonist so mit den Protagonisten befreundet sein und mit ihnen interagieren. In einem Film ließe sich das nur umsetzen, wenn die Person nicht (vollständig) gezeigt wird. Auch könnte man im Film den Mörder anhand seiner Stimme entlarven. Im Buch ist das anders, denn hier kann sich der Leser zwar vieles vorstellen, aber nicht sehen.

Der „Aha-Effekt“ ist natürlich, neben den Spannung erzeugenden Techniken, auch nicht zu vernachlässigen. Wenn man ein spannendes Buch liest und bis zum Schluss davon gefesselt ist, ist schon viel erreicht. Kehrt man aber am Schluss die Geschichte nach dem Motto „es war alles ganz anders, als vermutet“ um, hat man zum Ende hin noch einmal einen eindrucksvollen Höhepunkt geschaffen. Aus der Filmwelt sei hier als Beispiel „The Sixth Sense“ genannt. Natürlich muss man sehr gewissenhaft vorgehen und sein Werk genau planen, um dies effektiv durchziehen zu können. Die Auflösung muss logisch sein und darf den Leser nicht für dumm verkaufen. D.h. es sollten am Ende nicht plötzlich Fakten auftauchen, die zwar alles erklären, aber vorher nie genannt wurden. Sie müssen stattdessen, dezent angedeutet, unauffällig in der Handlung untergebracht werden. Sie können beim Leser ruhig Fragen aufwerfen. Umso effektiver ist am Schluss die Auflösung, wenn sich alle Puzzleteile zu einem Ganzen zusammensetzen.

Infos zu mir und meinen Büchern gibt es auf
www.jpconrad.com

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Vita J.P. Conrad
J.P. Conrad (eigentlich Jens Peter Conradi), Jahrgang 1976, ist Mediendesigner und diplomierter Werbetexter. Er stammt aus der Wetterau, lebt aber seit einigen Jahren im Taunus. Er ist verheiratet und hat ein Kind.
Schon in frühester Kindheit zeigte sich bei J.P. Conrad eine ausgeprägte künstlerische Ader. Erste Gehversuche waren selbst gezeichnete Comics nach seinen großen Vorbilder Uderzo (Asterix) und Hergé (Tim und Struppi). Hinzu kamen Kurzgeschichten und erste Ansätze für Romane aus den Bereichen Krimi und Science Fiction.
Anfang der 90er Jahre begann Conrad mit der Produktion von semi-professionellen Videos aus verschiedensten Genres, die er an seiner Schule aufführen durfte und die z.T. auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gesendet wurden. Auch hier kam ihm seine schriftstellerische Begabung beim Verfassen der Drehbücher sehr zu Gute.
Nach mehr als 12-jähriger Anstellung in einer Agentur für Werbung und Marketing als Designer, Art Director und Projektleiter, begab er sich in die Selbständigkeit mit seiner eigenen Medienagentur (www.perpicx.com). Es folgte die Angliederung einer kleinen Verlagssparte, in der er die Bücher seiner Frau, der Autorin Nadine T. Güntner, veröffentlichte, darunter der Fantasyroman “Allendas” und die Kurzgeschichtensammlung “Weibsstücke”.
Im Jahr 2013 hat Conrad mit „totreich“, seinen viel beachtetes Debüt als Schriftsteller hingelegt. Der Roman wurde zum Beststeller und war u.a. auf Platz zwei der Verkaufscharts auf Neobooks, der Selfpublishing-Plattform unter dem Dach der Verlagsgruppe Droemer Knaur.

Werkliste

aufgefressenTotreichdirty story

Titel                                 Jahr             Genre                               ISBN
Aufgefressen                  2014             Thriller                             978-3-8476-7515-0
Die Beichtkammer         2013             Thriller Kurzgeschichte   978-3-8476-5141-3
Dirty Story                      2013             Thriller                              978-3-8476-5661-6
Frischfleisch                  2014              Thriller                             978-3-8476-9072-6
Gewaltnatur                   2013              Thriller Kurzgeschichte   978-3-8476-4921-2
Sackbruch –
Gemeine Gemeinde      2013              Satire                               978-3-8476-5496-4

totreich                          2013              Thriller                              978-3-8476-4629-7


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